Ursulinenschule Fritzlar

Bettina-von-Arnim-Forum

Vortrag von Herrn Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender Firma „tegut“ mit anschließender Diskussion mit Schülern der Jahrgangsstufe 11 der Ursulinenschule Fritzlar am 21. April 2010 im Rahmen von „Bettina-von-Arnim-Forum“ und des Comenius-Projektes 

„Erdbeeren zu Weihnachten“ –

nachhaltiges Wachstum im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie

„Ich werde in Zukunft mal öfter über meine Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten nachdenken.“ „Ein glaubwürdiger Mensch!“, Kristin Fröde aus Hebel (17) - so oder so ähnlich konnte man Schüler der Jahrgangsstufe 11 an der Ursulinenschule im Anschluss an den Vortrag von Thomas Gutberlet, dem Vorstandsvorsitzenden der Firma „tegut“ vernehmen. Normalerweise stehen Manager heute in dem Ruf, den Nutzen ihrer Firma oder Aktionäre vor den Nutzen der Kunden zu stellen. Gutberlet aber hat es innerhalb der 60 Minuten seines Vortrags über die Philosophie seines Unternehmens „tegut“ verstanden, dieses Vorurteil mit einem Fragezeichen zu versehen. „Sie interessieren sich für Menschen, nicht nur für den Profit“, so die Schülerin Katharina Herzog aus Waldeck (18).  

Bei „tegut“ mache man sich Gedanken um die Entwicklung der Menschen, die ihre Produkte kauften. Das Firmencredo: „Unser Ziel ist nicht in erster Linie Wachstum, sondern Qualität.“ Ein Aspekt seien dabei die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Erde, die zum Teil gar nicht wahrgenommen würden, weil man sie entweder einer zukünftigen Generation aufbürde oder sie sich aus den Augen schaffe, wie es in einer globalisierten Welt täglich z. B. mit dem Müll geschehe. Es gelte „nachhaltig“ zu handeln  - im ideellen, geistigen, sozialen und materiellen Sinn. Gutberlet appellierte an seine Zuhörer, die Erde pfleglich zu behandeln und bewusst mit Ressourcen umzugehen. 

Um den eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, produziere „tegut“ in einigen Bereichen selber, in anderen versuche man auf die Geschäftspartner Einfluss zu nehmen,  wie Gutberlet an verschiedenen Projekten, wie z.B. „African star“, „Banalino“ oder „faire Milch“ deutlich mache.  Die enge Zusammenarbeit mit den regionalen Landwirten, aber auch den Produzenten in Übersee sei eine wesentliche Grundlage der Firma „tegut“. Ziel sei es, dem Verbraucher qualitativ hochwertige, „gute“ Lebensmittel ohne Gentechnik  anzubieten und die Biodiversität zu fördern: „Wir wollen kein Hybridsaatgut.“   

In der sich anschließenden Gesprächsrunde gefragt, ob man sich beim Einkauf wirklich ökologisch korrekt verhalten könne, meinte Gutberlet, dass entgegen landläufiger Meinung doch sehr viel vom Verhalten der jeweiligen Verbraucher abhänge: „ Als Händler tragen wir Verantwortung. Aber der Einzelne hat durch seine Kaufentscheidung enorme Einflussmöglichkeit auf die Zukunft. Viele kleine Schritte sind nötig, um nachhaltig  zu wirken.“

Manchmal mache der Kunde schon mit der Wahl seines Transportmittels  zum Supermarkt oder mit dem Kochen ohne Deckel auf dem Topf die ökologischen Bemühungen bei Herstellung und Transport einer Ware zunichte.

Auf die Frage, wie ökologisch korrekt er selbst lebe, antwortete er, er verzichte nicht auf das Auto und verbrauche damit Ressourcen, wenn er überzeugt sei, sein Verhalten sei insgesamt effizient: „Wir könnten alle für zehn Minuten aufhören zu atmen. Dabei würden wir sicherlich viel CO2 sparen. Aber wäre das auch sinnvoll?“ 

Auf die Frage einer Schülerin, wie Gutberlet die Einflussnahme des Staates durch strengere gesetzliche Regelungen sehe, meinte Gutberlet: „Der Einzelne sollte aus Einsicht und nicht aus Zwang handeln.“ Die Firma „tegut“ verstehe sich nicht als „Erziehungsanstalt“, sondern wolle den Menschen die Möglichkeit zur eigenen Entwicklung geben. Gutberlet erklärte den Schülern, dass sich die Anforderungen an Ernährung im Laufe der letzten 60 Jahre gewandelt hätten: „Menschen, die am Schreibtisch arbeiten, benötigen eine andere Ernährung als jemand, der bei minus 15 Grad auf einer Baustelle körperlich hart arbeitet.“ Seine Aufgabe als Händler sei es, der Vielfalt der Anforderungen gerecht zu werden.  

Besonders interessant fanden die Schüler die Initiative von „tegut“, die Menschen zur Selbstversorgung und zum Selberkochen anzuregen, indem sie ihnen Äcker zur Bewirtschaftung zur Verfügung stellen: „Die Menschen sollten wieder ein Gefühl für die Natur entwickeln.“ Auch Kochkurse seien heutzutage nötig, da viele Menschen nicht mehr in der Lage seien, beispielsweise Gemüse zu verarbeiten, und teuer sei das auch nicht: „Man kann sich auch mit weniger Geld gesund ernähren“, so Gutberlet.

Dennoch, so  betonte er, sei offensichtlich, dass die Deutschen nicht bereit seien, das Geld, das Lebensmittel kosten, zu bezahlen: „Die Deutschen geben weniger Geld für Salatöl aus als für das Motorenöl ihres Autos.“ 

Auch im Ausland reiße man sich deshalb nicht darum, Lebensmittel nach Deutschland zu importieren. Dieses Image der Deutschen gab den Schülern zu denken.

Beeindruckt waren die zumeist jugendlichen Zuhörer auch vom Ausbildungskonzept von „tegut“: „In Zeiten, in denen Firmen ihre Mitarbeiter bespitzeln, fällt eine Firma wie „tegut“, die sich für ihre Mitarbeiter interessiert, doch auf“, so der Schüler Tobias Drößler aus Fritzlar (17). 

Der überaus begeisterte Schlussbeifall zeigte, dass Gutberlet seine Zuhörer erreicht hatte.

Infos zur Firma „tegut“:

- „Bio-Pionier: seit 1982 erste Supermarktkette mit biologisch erzeugten Lebensmitteln im Sortiment

- Thomas Gutberlet = Vorstandsvorsitzender in dritter Generation

- Gründung 1947 durch Theo Gutberlet

- 311 Lebensmittelmärkte in Hessen, Bayern, Thüringen und Niedersachsen

- 6.200 Mitarbeiter/innen, darunter 913 Auszubildende

- Umsatz von 1,1 Mrd. € im Jahre 2008, 14% Marktanteil Food im Wirtschaftsgebiet

- zahlreiche Auszeichnungen:

·         Innovationspreis für Technologie und Verfahren

·         BestPersAward- 1 Platz- Sparte: Personalführung

·         Bio Markt des Jahres in Gold und Silber

·         den Branchen-Oscar : den goldenen Zuckerhut

·         Entrepreneur des Jahres 2007 (Kategorie Handel)

·         Bundesverdienstkreuz am Bande für die hohe Ausbildungsquote, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und den Einsatz für hohe Lebensmittelqualität. 

Kontakt zu Thomas Gutberlet war zustande gekommen über eine Konferenz in Fulda: „Volkskrankheiten kann man essen und trinken! Aber Gesundheit auch!“, an der Birgit Anders, Comenius-Projektkoordinatorin von der Ursulinenschule teilnahm. 

- Thema für Ursulinenschule von besonderem Interesse:

            - als „Gesunde Schule“ unter anderem im Bereich Ernährung zertifiziert

            - 2009 Auszeichnung als Umweltschule für gesunde Koch-Kurse in der Schulkantine 

            - seit Aug. 2009 EU Comenius – Projekt an der Ursulinenschule, Thema „Ernährung“ mit      Schulen aus England, Finnland, Frankreich und Spanien

→ Vortrag von Thomas Gutberlet passt hervorragend zur Ursulinenschule