Ursulinenschule Fritzlar

1. Comenius-Treffen in Smermesnil, Frankreich

„Vive l’Europe!“

27.09.-01.10.2009

 

Das erste Comenius-Treffen ist gerade zu Ende gegangen. Am Donnerstag, dem 01.10.2009, haben sich die Vertreter der fünf Partnerschulen – Lehrer- und Schülerbotschafter – mit zahlreichen Projektideen und vielen tollen Eindrücken im Gepäck  getrennt. Drei Tage lang haben die Lehrer an der Entwicklung von Ideen zum Thema „Ernährung“ gearbeitet. Bis zum nächsten Wiedersehen in Finnland im März 2010 sollen zunächst einmal folgende Projekte stattfinden:

1. Im Projektantrag vom Februar 2009 wurde festgelegt, dass am Ende der zweijährigen Projektzeit ein europäisches Kochbuch stehen soll. Als Vorbereitung dafür wird in den nächsten Monaten jeweils ein landestypisches Rezept auf die Homepage gestellt, dessen Zubereitung mit Fotos von dem jeweiligen Land dokumentiert wird. Die Partner sollen dann das Gericht ‚nachkochen‘ und auch mit Fotos usw. dokumentieren. Den Finnen bei der Zubereitung von englischen „scones“ zuzusehen oder die Spanier bei dem Ausstechen deutscher Plätzchen in der Vorweihnachtszeit zu beobachten, ist sicherlich interessant.

Für ein Vorwort zu unserem Kochbuch sollen namhafte europäische Köche gewonnen werden. Auf einer Tagung in Fulda im Oktober `09 konnte ich dafür bereits den Spitzenkoch Johann Lafer engagieren!

2. Angeregt durch eine Projektidee von unserem Kunstlehrer Herrn Löcken wird es ein „Kunst-Projekt“ geben: Schüler sollen die Bedeutung von Farben bei der Wahl der Lebensmittel erkennen, Werbeplakate von Lebensmittelherstellern durchschauen und selbst Werbeplakate entwickeln und/oder Werke von Künstlern, die sich mit der Darstellung von Nahrung beschäftigt haben, nachahmen oder entfremden. Sicherlich werden die Kunstlehrer der fünf Partnerschulen auf sehr unterschiedliche Ideen kommen, die dann in einer Kunstausstellung in Finnland bei unserem nächsten Besuch präsentiert werden. Ein gemeinsamer Kunstkalender wäre ein tolles Ergebnis.

3. Nahrung und  Literatur – gibt es da einen Zusammenhang? In verschiedenen literarischen Genres spielen Nahrung bzw. Probleme, die mit Ernährung verbunden sind, eine Rolle: in den Märchen der Brüder Grimm beispielsweise oder in Jugendromanen, wenn es um Essstörungen, wie z.B. Magersucht, geht. Wir wollen eine „reading list“ erstellen, in der Jugendliche anderen Jugendlichen aus Europa Romane oder Erzählungen, die ihnen gefallen haben, empfehlen. Da es heutzutage sehr viele Übersetzungen gibt, sollte dies kein Problem sein. Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Leseförderung leisten zu können.

Für weitere Ideen sind wir offen!

Während also die Lehrer ihrer Kreativität freien Lauf ließen, sind sich auch die Schüler aus den fünf Partnerschulen näher gekommen. An gemischt-nationalen Tischen wurde über die kulinarische Traditionen der einzelnen Länder lebhaft diskutiert, sich über merkwürdige Frühstücksgewohnheiten gewundert und geklärt, was an Fast Food in Finnland und Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland auf dem Markt ist. Bei der Präsentation der Diskussionsergebnisse haben sich unsere Schüler als äußerst engagiert und sprachgewandt (alles auf Englisch!) gezeigt. Die Komplimente unserer europäischen Nachbarn haben bestätigt, was auch wir empfanden: Diese Schüler waren als „Botschafter der Ursulinenschule“ sehr geeignet. Immer wieder wurden wir gefragt: „Können alle deutschen Schüler so gut Englisch?“

Neben den gemeinsamen Arbeitsphasen waren wir vom Gastgeber, einem beruflichen Gymnasium mit Schwerpunkt Hotelerie und Catering, auf eine kulinarische Reise durch Frankreich eingeladen. Mittags und abends standen 4-Gänge-Menüs auf dem Programm, zubereitet und serviert von Schülern, natürlich unter fachkundiger Anleitung. Die europäischen Jugendlichen reflektierten kritisch, was ihnen dort eröffnet wurde. Man war sich einig: Auch wenn man vielleicht nicht zu allen Spezialitäten sofort Zugang hatte (wer hat schon Schnecken und Muscheln gegessen?), so waren die Menüs, zu denen der französische Gastgeber uns eingeladen hatte, einmalig. Wann wird man nochmals in den Genuss solcher Köstlichkeiten kommen?

Neben den Planungsphasen haben wir aber auch die Normandie näher kennen gelernt: Ausflüge zur Baie de Somme und nach Rouen standen ebenfalls auf dem Programm.

Einer der Höhepunkte unserer Reise war sicherlich die Ernennung der Projektkoordinatoren zu chevaliers du fromage (auf Deutsch: „Ritter des Käse“). Was das heißen soll? Typisch für die Normandie sind der Calvados sowie der Käse Neufchâtel, für dessen Erhalt so genannte chevaleries (Bruderschaften) eintreten. Als große Überraschung wurde diese Zeremonie sogar im lokalen Fernsehen am selben Abend ausgestrahlt (Homepage: restaurant-rendez-vous.com). Dass wir so berühmt werden würden, war uns nicht klar.

Alles in allem also eine aufregende Fahrt, die unsere Partner und uns sowohl auf Schülerebene als auch auf Lehrerebene näher gebracht hat! Bei allen kulturellen Unterschieden wurde eines besonders deutlich: Der Blick über den nationalen Tellerrand und das Kennenlernen von Menschen aus fernen Lebenskreisen ist nicht nur interessant, sondern macht auch sehr viel Freude!

Birgit Anders, Projektkoordinatorin

Begeisterte Schüler berichten

Artikel HNA vom 22.10.09