| Schulfernsehen der Ursulinenschule |
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Information der dpa
KORR-Inland/Medien/Fernsehen/Schule/
Fernsehen als Schulfach: Filmarbeit soll Jugendliche
kritisch machen Von Michael Evers, dpa
Während die Kameraleute über ihre Filmaufnahmen diskutieren, mahnt
der Redaktionsleiter einen Hintergrundtext an: Schritt für Schritt nimmt die
TV-Reportage über die Parkprobleme in der Kleinstadt Gestalt an. Der Beitrag
entsteht jedoch nicht in einem Fernsehstudio, sondern in einem Klassenzimmer der
Ursulinenschule im nordhessischen Fritzlar. Die Gesamtschule ist eine von drei
hessischen Pilotschulen, an denen das Unterrichtsfach Fernsehen seit einem Jahr
getestet wird. Das Projekt der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR)
zur Förderung der Medienkompetenz junger Leute soll auf weitere Schulen
ausgedehnt werden.
«Der gesetzliche Jugendschutz im Fernsehen greift nicht bis zum Ende», sagt LPR-Sprecherin Annette Schriefers. Zwar sei in Deutschland recht streng geregelt, was in einem Fernsehfilm gezeigt werden dürfe und was nicht. «Aber man kann auch mit einer guten Sendung Kinder verängstigen.» Oft seien schon die Nachrichtenbilder für Jugendliche erschreckend. Die Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder, Jugendliche und Lehrer ist daher in Hessen seit knapp fünf Jahren eine Aufgabe der LPR. «Wer weiß wie Fernsehen funktioniert, hat nicht mehr so viele Probleme im Umgang damit.» Ziel sei praktische Medienerfahrung und nicht bloßes Theoriewissen.
«Medienkompetenz wird oft mit Technikkompetenz verwechselt», sagt Medienpädagoge Stefan Bornemann, der das Pilotprojekt in Fritzlar und an zwei Kasseler Schulen betreut. Hauptziel sei es aber nicht zu wissen, wie eine Kamera funktioniert. «Es geht darum, eine emotionelle Distanz zu den Nachrichten zu gewinnen.» Bilder könnten nicht lügen, glaubten viele. «Das ist die Wirklichkeit, ich sehe es ja.» Dabei nutzten Journalisten Bilder oft, um ihre Sichtweise zu untermauern, meint Bornemann. Ziel des Projekts sei es, den Schülern einen kritischen Umgang mit Fernsehbildern beizubringen.
«Der entscheidende Erfolg ist, wenn die Schüler ihren eigenen Beitrag sehen und sagen, 'das ist ja wie im Fernsehen'», glaubt Bornemann. Dann glaubten sie den Bildern nicht mehr auf Anhieb und begriffen, dass auch Fernsehen nur erdacht ist. Das Medium werde so entmystifiziert und eine kritische Distanz aufgebaut. Deshalb solle das Projekt Fernsehen in der Schule auch kein abprüfbares Wissen vermitteln, sondern über die Fortbildung von Lehrern in einem ersten Schritt das anschließende Einrichten von Lehrredaktionen ermöglichen.
«Medienkompetenz ist eine Kulturtechnik, die in den Unterricht integriert werden muss», sagt Schriefers. «Wir brauchen kein separates Fach Medienkunde.» «Ihr habt nur Bilder gesammelt, dass ist noch kein Bericht», erklärt unterdes in Fritzlar Musik- und Geschichtspädagoge Günter Edelmann den Zehn- bis Zwölftklässlern. «Ihr müsst erst eine Story recherchieren und dann bebildern.» Drei Beiträge der Schüler wurden bereits im Offenen Kanal Kassel ausgestrahlt und eine Sendung vor einigen Wochen von der Landesmedienanstalt mit dem «Mediaserver»- Preis für Nachwuchsproduktionen ausgezeichnet. Da Edelmann an der Ganztagsschule bereits seit zehn Jahren auf eigene Faust Medienarbeit organisierte, meldete er seine Schule gleich für das Pilotprojekt an.
«Ich könnte mir vorstellen, im Fernsehen zu arbeiten», sagt Paul (16) aus der Schülerredaktion. «Ich finde es toll, dass unsere Schule uns das bietet.» Mitschüler Nicolai (18) filmt auch privat und will aus dem Hobby nicht unbedingt seinen Beruf machen. Anders sieht es für David (18) aus, der inzwischen über ein Journalistikstudium nachdenkt. «Mir macht das Spaß». Derweil soll das Fernsehprojekt im Klassenzimmer in Hessen Schule machen: Mit Unterstützung des Kultusministeriums werden acht weitere Schulen gesucht, in denen nach den Sommerferien eine Lehrredaktion starten kann.
(Internet:
www.lpr-hessen.de)dpa ev yyhe tm
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